Local Content in Russland
Russland hat für die Automobilindustrie die Local Content Bedingungen definiert. Nur Hersteller, die diese Bedingungen erfüllen, können Komponenten mit einem Zollsatz von 0-5% einführen. Für neue Produktionen müssen Hersteller im 4. Jahr bereits 30% und im 6. Jahr 60% der Teile aus russischer Produktion beziehen. Die Automobillieferanten werden gefordert, in Russland Produktionskapazitäten aufzubauen. Russische Lieferanten müssen qualifiziert werden.
Das Ministerium für Wirtschaftsentwicklung und Handel der Russischen Föderation und das Finanzministerium der Russischen Föderation hat am 24. Dezember 2010 die Anordnung Nr. 678/1289/184n erlassen.
Laut Erlass müssen Automobilhersteller, die in Russland produzieren:
- im Laufe von vier Jahren eine Serienherstellung von mindestens 300 000 Kfz pro Jahr gewährleisten (bei Errichtung neuer Produktionskapazitäten) oder von mindestens 350 000 Kfz nach drei Jahren (bei einer Modernisierung vorhandener Produktionskapazitäten)
- 30% der hergestellten Autos müssen über inländische Motoren und Getriebe verfügen
- gepresste Karosserieteile herstellen
- ein Forschungs- sowie Entwicklungs- und Konstruktionszentrum einrichten oder modernisieren


Nach Abschluss erster Absichtserklärungen bis Ende Februar 2011 sollen bis Jahresende entsprechende Businesspläne eingereicht und Verträge unterschrieben werden.
Dies wird eine enorme Auswirkung auf die ganze Lieferkette haben. Die Errichtung einer Produktionsstätte in Russland lohnt sich erst ab einem bestimmten Auftragsvolumen. Da die Auftragvolumina bisher zu klein waren, haben die Automobillieferanten mit dem Schritt nach Russland gezögert. Es stellt sich jetzt die Frage, ob die Lieferanten ausreichende Auftragsvolumina erreichen, um eine profitable Produktion aufbauen zu können.
Die Automobilhersteller haben wenige Alternativen zu den bisherigen Lieferanten. Die russischen Lieferanten sind meistens nicht in der Lage, die Qualitätsanforderungen zu erfüllen und nur manche können über eine längere Zeit zu Lieferanten aufgebaut werden.
Aber auch durch die Ansiedlung der Automobillieferanten in Russland ist das Problem nicht gelöst, da diese Lieferanten wieder ihre Lieferkette in Russland aufbauen müssen. Es werden technologische Lücken, begrenzte Kapazitätsgrenzen und fehlendes Qualitätsbewusstsein sichtbar. Hier hilft nur Investition in Form von Know-how und Zeit in Aufbau von Lieferanten.
Hinzu kommen noch die Suche und der Aufbau einer Produktionsstätte. Grundsätzlich gilt, dass beides zeitintensiver und teurer als in anderen Emerging Markets ist. Hier sind erfahrene Experten vor Ort gefragt, die Zugang zu den Behörden haben und die Marktmechanismen kennen. Dann können die kritischen Stellen zwischen Entscheidung und SOP überwunden werden.
Newsletter abonnieren
Rückrufservice