Neue Chancen beim Sourcing in Mittel- und Osteuropa - Kosten senken und Fertigungskapazitäten sichern
Gibt es noch Kostensenkungspotenziale in Mittel- und Osteuropa?
In den letzten Jahren stiegen die Löhne mancher osteuropäischen Facharbeiter prozentual teilweise zweistellig (Rumänien und Bulgarien), aber von einem sehr niedrigen Niveau, so dass sie auch heute noch wettbewerbsfähig sind. In anderen Ländern lagen die Lohnsteigerungen unter 10% p.a.. Durchschnittliche Lohnkosten (Gehalt plus Arbeitgeberanteil) im produzierenden Gewerbe sind: Tschechien und Ungarn rund 900 Euro, Estland, Polen und Slowakei etwa 750 Euro, Lettland und Litauen ungefähr 500 Euro, Rumänien circa 375 Euro, Bulgarien um 300 Euro. Im Vergleich zu den westeuropäischen Löhnen sind die Löhne in MOE signifikant niedriger und werden eher moderat wachsen.
China und Indien, um die wichtigsten Beschaffungsmärkte in Asien zu nennen, sind bei einer Kostenbetrachtung sicher eine Alternative. Insbesondere für die Produktionsstätten in Asien sollten die lokalen, asiatischen Lieferanten so weit wie möglich in Anspruch genommen werden. Dasselbe gilt auch für Russland. In der Praxis hat sich aber gezeigt, dass es für die meisten westeuropäischen Produktionen (überdurchschnittlich in der metallverarbeitenden Industrie, aber auch in der Automobilindustrie) vorteilhafter ist, die MOE Lieferanten zu involvieren.
Bei kleinen Losgrößen, hoher Variantenvielfalt und höherem Erklärungsbedarf werden die Vorteile von MOE besonders deutlich. Für die Beschaffung für europäische Werke macht der Beschaffungsmarkt Asien nur dann Sinn, wenn das Unternehmen die Qualität vor Ort sicherstellen kann. Dazu sind Organisationsstrukturen des Einkaufs vor Ort notwendig. Eine Alternative bilden auch externe Einkaufsbüros. Eine Beschaffung, die aus Deutschland gelenkt wird, ist aus unserer Erfahrung risikoreich, da die Lieferanten nicht optimal betreut werden können und man Gefahr läuft, Qualitätsmängel nicht rechtzeitig festzustellen. Weitere Nachteile sind die langen Lieferzeiten und hohe Logistikkosten. Gegenwärtig sollte auch die Erhöhung der Sicherheitsbestände und ihr unmittelbarer Einfluss auf die Liquidität in Betracht gezogen werden.

Fünf Beispiele aus der Praxis
Hier sind fünf unterschiedliche Beispiele aufgezeigt, welche deutlich vermitteln, welche Einsparpotentiale wo realisiert werden können.
Beispiel 1:
Frästeile, klein, mittlere Komplexität, kleine Stückzahlen p.a. (ca. 1000 Stück) und Losgrößen (ca. 200), Materialanteil 10 bis 25% der Produktionskosten, lange Rüstzeiten: Einsparungspotenzial bis zu 60%! Auf diese Anfrage kamen genug Angebote (ca. 10). Insbesondere Lieferanten aus Polen, Tschechien und Ungarn boten erhebliche Potentiale - sowohl in der Qualität als auch beim Preis. Sie sind flexibel und zeigen auch die Bereitschaft, in neue Maschinen zu investieren, wenn die Aufträge die Auslastung garantieren. Relativ schwierig ist es, freie Kapazitäten auf teuren Maschinen wie z.B. den 5-Achs-Fräsen zu finden.
Beispiel 2:
Frästeile, mittelgroß, mittlere Komplexität, mittlere Stückzahlen p.a. (5.000 – 10.000) und Losgrößen (ca. 300 – 500), Materialanteil 15 bis 30% der Produktionskosten: Einsparungspotential bis zu 50%! Es kamen genug Angebote (ca. 10). Die besten Angebote machten Unternehmen aus Tschechien, Polen und Ungarn.
Beispiel 3:
Drehteile, mittlere Komplexität, große Stückzahlen p.a. (bis 1 Mio. Stück) und Losgrößen (bis 100.000 Stück), Materialanteil ca. 35% der Produktionskosten, kurze Rüstzeiten: Die Einsparungspotenziale lagen bei bis zu 30%. Auf die Anfrage kamen ca. 20 Angebote zurück. Die besten Angebote kamen aus Tschechien und aus der Slowakei. Auffällig: Alle ungarischen Lieferanten boten völlig überhöhte Preise (bis zu 300%) an.
Beispiel 4:
Drehteile, mittelgroß, mittlere Komplexität, kleine Stückzahlen p.a. (ca. 2000 Stück) und Losgrößen (ca. 100 Stück), Materialanteil ca. 30% der Produktionskosten, kurze Rüstzeiten: Einsparungspotential bis zu 50%! Es erreichten uns relativ viele Angebote (ca. 15). Die meisten Angebote waren sehr gut – und diese kamen aus Tschechien, Polen und Ungarn.
Beispiel 5:
Feinstanzteile, mittlere bis hohe Komplexität, mittlere Stückzahlen p.a. (ca. 50.000 Stück) und Losgrößen (bis 10.000 Stück), Materialkosten ca. 35% der Produktionskosten, kurze Rüstzeiten: Einsparungspotential immerhin noch bis zu 20%. Hier zeigte sich, dass es in Mittel- und Osteuropa für diesen Auftrag nur wenige Lieferanten. Daher gab es auch nur 5 Angebote. Die attraktivsten Angebote kamen aus Tschechien.
Fünf Fälle, fünf Anforderungen - und das Ergebnis sind unterschiedlich hohe Einsparpotenziale im Bereich zwischen 20 und 50 Prozent. Diese Beispiele zeigen deutlich, dass trotz der Lohnsteigerungen in Mittel- und Osteuropa und trotz der hohen Auslastung der Lieferanten sogar in den mitteleuropäischen Hochpreisländern noch beträchtliche Kostensenkungspotenziale stecken.
Fazit:
Es gibt erhebliches Sparpotenzial bei der Beschaffung. Es liegt je nach Komplexität und Stückzahl zwischen 20 und 50%. Beste Voraussetzung: kleinere und mittlere Stückzahlen (bis 10.000 Stück p.a.), mittlere Komplexität, Anteil der Materialkosten unter 30%, keine speziellen und besonders teuren Maschinen für die Herstellung notwendig. Wichtig ist, die geeigneten Lieferanten durch Experten anzusprechen, die sich vor Ort auskennen und die Landessprache beherrschen. Sprechen Sie uns an!
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